IV. Komponieren

Als ich in die Pubertät kam, schrieb ich Liebeslieder, ohne verliebt zu sein. Ich schwärmte, ich wünschte mir, verliebt zu sein und diesen Traum drückte ich in Musik aus. Mit dem Klavier komponierte ich Melodien, ein paar davon hielt ich auf Notenpapier fest, aber meinen größten Song nicht – den nahm ich mit dem MP3-Player auf. Neulich bin ich wieder darauf gestoßen – ich habe das alte Ding immer noch, es passt überall hinein und wenn es die Treppe hinunterfällt, geht es nicht kaputt. Die Aufnahme enthält nur das Klavier, aber die ersten Verse könnte ich heute noch mitsingen, wenn ich das Klimpern der Tasten höre: „You came to me every morning / you stood in the door and smiled …“ Nach einiger Zeit verlor das Lied an Bedeutung und der Traum, Musik zu machen, trat in den Hintergrund. Aber ich spiele heute noch hin und wieder, Klavier und Gitarre, ab und zu auch mit anderen zusammen, was den Traum jedes Mal neu entfacht, und dabei lebt das Bild über Tasten, Griffbrett und Saiten fliegender Hände in mir fort.

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